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Situation
Mein Kind will nicht reden
Kopfhörer auf, Tür zu, „alles gut“.
Was könnte gerade los sein?
Mehrere Möglichkeiten – nicht eine Wahrheit. Nichts davon ist eine Diagnose.
- Schweigen ist im Jugendalter oft Regulation, nicht Ablehnung: Erst runterkommen, dann sortieren.
- Autonomie wird gerade wichtiger. Nicht zu reden ist eine Möglichkeit, etwas selbst zu besitzen.
- Ihr Kind hat vielleicht die Erfahrung gemacht, dass auf Reden eine Bewertung folgt.
- Manchmal fehlen schlicht die Worte. Gefühle zu benennen ist eine Fähigkeit, die sich erst entwickelt.
- Es kann auch bedeuten: „Ich will nicht mit dir über Sport reden“ – nicht: „Ich will nicht mit dir reden“.
Was Sie tun können
- Verfügbarkeit statt Verhör: „Ich bin da, wenn du magst.“ Und dann wirklich da sein.
- Nebeneinander statt gegenüber: Autofahrt, Spülmaschine, Spaziergang, Hund. Blickkontakt senkt die Redebereitschaft.
- Türöffner statt Fragen: „Heute war viel los, oder.“
- Zeitfenster verschieben: Viele Jugendliche reden abends, nicht direkt nach Belastung.
- Andere Kanäle akzeptieren – Sprachnachricht, ein Satz beim Gute-Nacht-Sagen, ein Meme.
Was eher schadet
- „Jetzt sag doch endlich mal was.“
- Fragenketten: „Wie war's? Hast du gespielt? Was hat der Trainer gesagt?“
- Schweigen persönlich nehmen und mit eigenem Rückzug beantworten
- Informationen über Umwege beschaffen (andere Eltern, Mitspieler) und damit konfrontieren
Was Sie sagen können
„Du musst nicht reden. Ich bin trotzdem da.“
„Sag Bescheid, wenn du reden willst – auch um 22 Uhr.“
„Willst du Ruhe oder Gesellschaft?“
„Ich frage nicht nach dem Spiel. Nur: Was brauchst du gerade?“
Genauer hinschauen, wenn …
- Rückzug auch von Freunden und Dingen, die früher Freude gemacht haben
- Schweigen über Wochen zusammen mit Reizbarkeit, Schlafproblemen oder Appetitveränderung
- Ihr Kind wirkt nicht nur wortkarg, sondern abwesend oder gleichgültig
Wann professionelle Hilfe?
- Wenn der Rückzug länger als zwei bis drei Wochen anhält und mehrere Lebensbereiche betrifft
- Wenn Sie das Gefühl haben, Ihr Kind trägt etwas, das es Ihnen nicht sagen kann – Vertrauenslehrkraft, Beratungsstelle, Kinder- und Jugendpsychotherapie
„Na, wie war's?“ ist möglicherweise die schlechteste Eröffnungsfrage der Welt – und wir stellen sie alle.
Passend dazu
Nach dem Spiel: Die erste StundeHeimfahrt bis Zuhause-AnkommenÄhnliche Situationen
Diese Einordnungen sind Möglichkeiten, keine Diagnosen. Sie kennen Ihr Kind besser als jeder Text. Wenn Sie unsicher sind, ist eine fachliche Einschätzung immer der bessere Weg als Abwarten.