Konkurrenz im Tor: Wenn du dich ständig vergleichst
Die andere Person hält, du sitzt draußen – oder du spielst und hast Angst vor dem Wechsel. Was du jetzt tun und wie du deine Spielzeit ansprechen kannst.
Du sitzt auf der Bank, die andere Torhüterin hält einen schweren Ball und alle jubeln. Du willst dich fürs Team freuen, aber gleichzeitig denkst du: Jetzt spiele ich erst recht nicht. Beides kann gleichzeitig da sein. Du bist deshalb kein schlechter Teamkollege. Die Entscheidung über deine Spielzeit liegt beim Trainer – nicht bei deinem nächsten Gedanken und auch nicht allein bei einer einzelnen Parade.
Was dir jetzt helfen kann
- 1Merk den Vergleich: Sag dir leise ‚Ich bin gerade enttäuscht, weil ich auch spielen will.‘ Du musst dir nicht einreden, dass dir die Bank egal ist. Atme normal weiter und lass die Schultern locker, wenn dir das angenehm ist.
- 2Trenne Beobachtung und Vermutung: ‚Sie hat den Ball gehalten‘ ist eine Beobachtung. ‚Ich werde heute nicht spielen‘ ist eine Vermutung, solange es dir niemand gesagt hat. Sag dir: ‚Ihre Parade ist kein Urteil über mich.‘
- 3Such dir eine Aufgabe, die jetzt passt: Auf der Bank beobachtest du zum Beispiel, von welcher Seite die Würfe kommen. Im Tor konzentrierst du dich auf die Absprache mit der Abwehr. Du brauchst nicht sofort zu beweisen, dass du besser bist.
Was trifft gerade auf dich zu?
Ich sitze auf der Bank
- Schau auf eine konkrete Spielsituation statt auf die Zahl der Paraden: Kommen die Würfe gerade vom Kreis oder aus dem Rückraum? Nimm nur eine Beobachtung mit, nicht eine komplette Gegneranalyse.
- Halte dich nach Absprache mit dem Trainer bereit. Wenn du eingewechselt wirst, kläre eine Sache mit der Abwehr: ‚Wie sprechen wir die Würfe von außen ab?‘ Dein Einstieg muss kein perfekter erster Ball sein.
- Du darfst für die andere Person klatschen und trotzdem enttäuscht sein. Wenn dir der Vergleich zu viel wird, richte deine Aufmerksamkeit wieder auf das Spiel. Du musst keine Begeisterung vorspielen.
So kann das im Handball aussehen
Du bist im Training im Tor. Dein Mitspieler hält einen freien Wurf, du kassierst danach einen ähnlichen Ball. Statt ‚Er ist besser als ich‘ sagst du dir: ‚Das waren zwei einzelne Würfe.‘ Du bleibst bei deiner abgesprochenen Aufgabe: vor dem nächsten Angriff die Abwehr kurz ansprechen. Ob der nächste Ball drin ist oder nicht, entscheidet nicht darüber, ob du diese Aufgabe umgesetzt hast. Das ist ein Beispiel, kein Versprechen für eine Parade.
Für dein nächstes Training
Wähle mit deinem Torwarttrainer eine Sache für die nächste Einheit, die du selbst tun kannst: etwa nach jedem Wurf wieder zum Spiel schauen oder vor einem Angriff eine klare Absprache treffen. Schau danach zurück: Habe ich das gemacht? Wann fiel es mir schwer? So wird aus ‚Ich muss besser sein als die andere‘ eine übbare Aufgabe. Ihr könnt euch auch gegenseitig sagen, was ihr beobachtet habt – nur wenn ihr beide das möchtet. Paraden zu zählen ist dafür nicht nötig.
So kannst du es ansprechen
‚Ich möchte mehr spielen und merke, dass ich mich dauernd vergleiche. Nach welchen Kriterien entscheidest du über unsere Spielzeit? Was soll ich konkret im Training zeigen? Können wir danach gemeinsam schauen, wie es läuft?‘ Du darfst nachfragen, ohne die andere Person schlechtzumachen. Eine klare Aufgabe garantiert dir keinen Einsatz; sie gibt dir aber Orientierung.
Was du nicht allein lösen musst
Mach aus jeder Parade keinen Wettbewerb um deinen Wert. Bestrafe dich nicht mit Extra-Training und rede deinen Torwartkollegen nicht klein. Wenn du wiederholt abgewertet wirst, Angst vor dem Training bekommst oder der Frust auch abseits der Halle viel Raum einnimmt, sprich mit einer erwachsenen Person, der du vertraust. Bei Bedarf könnt ihr sportpsychologische oder andere qualifizierte Unterstützung suchen. Du musst das nicht allein klären.
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